Synthese von Spiritualität und Baukunst

Im Oktober 2009 findet eine weitere Architekturtagung statt. Die Einladung können Sie hier abrufen:

 

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Sonnenlauf
Herzformen
Sonnenlauf 2
Bögen
Sonnengelb

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Kristall
Sonnenlauf
Konchoide
Bögen
Sonnengelb


Ein "schöpferischer Prozess"...

Ausdruck  des schöpferischen Prozesses ist die Idee, d.h. Kreativität benötigt einen grundlegenden Gedanken für seine Ausformung. Wie kann ich diesen Zusammenhang verstehen und meine Erfahrung  von Intuition und Gefühl überprüfen? Indem ich von der Vorstellung ausgehe, das die Idee aus dem Gedankenraum kommt und gehaltvolle Gedanken zugrunde gelegt werden, wenn etwas schöpferisches entstehen möchte.
„Aus dem Geiste  wird die Vorstellung, der Gedanke, Idee und Inhalt geschöpft und in der Wirklichkeit dann real geschaffen“.

Beispiel aus der Architekturarbeit:

Das  Anliegen eines Kunden ist  es, sein Dachgeschoss für Wohnzwecke auszubauen. Dazu ist ein  Dachflächenfenster  einzubauen, damit mehr Licht in die finsteren Räume kommt. Man kann so vorgehen, die Verhältnisse  ausmessen, die Balkenlage prüfen, im festgelegten Abstand  zwischen den Sparren ein Fenster wählen, einen Standard Rahmen  einbauen und  am Ende alles sorgfältig verkleiden und das Dach andecken. Der Kunde ist zufrieden.

Wie kreativ ist dieser Ablauf gestaltet? Was ist dabei entstanden an neuen Vorstellungen, an Verhältnis  zwischen Architekt und Bauherr, an Wachstum und Fortschritt? Werden die Beteiligten zur Entwicklung neuer Fähigkeiten und größerer Beziehung  zur Aufgabenstellung, der Qualitäten, dem Licht, dem Glas u.a. angeregt?

Für diese erweiterte Betrachtung erscheint ein sogenannter schöpferischer Prozess erforderlich. Das bedeutet aus dem Strom des Gewohnten auszusteigen, aus der Bequemlichkeit  heraus zu finden und nicht das bloße „Ausführen“ oder es  nur dem Kunden „recht machen“ wollen, sondern vielmehr  neue Vorstellungen einzubeziehen. Wie kommen wir in die nächste Ebene?

Dazu können folgende Fragen eine Anregung schaffen. Was soll im Raum entstehen, wofür  wird der Raum verwendet, was geschieht eigentlich? Kommt der Tisch an einen harmonischen  im Zusammenhang mit dem ganzen Raum ausgerichteten Platz? Wie kommt das Licht herein, durch welche Form tritt es in den Raum? Mit welchen Formen, Farben und Materialien schaffen wir harmonische Beziehungen. Die  Zielvorstellung und die Handlung führen in die nächste Ebene.

Diese Überlegungen direkt ausgesprochen und abgefragt, können auf Ablehnung bei dem Auftraggeber stoßen. Sie sind ungewohnt und eigentlich wollte er bloß ein Dachflächenfenster und keinen tiefschürfenden, philosophischen Vortrag anhören.
Jetzt beginnt die kreative Herausforderung mit dem Blick auf den Auftraggeber.Die schöpferische Kunst des Architekten ist gefragt, innerhalb von Widerständen, etwas Neues zu schaffen und den Kunden vielleicht doch etwas über seine bisherigen Vorstellungen hinauszuführen. Klarheit in der Vorstellung, Standvermögen, soziale und kommunikative  Fähigkeiten sind erforderlich.

Schon der Dialog beim ersten Kennenlernen des Kunden ist der Beginn eines „schöpferischen Prozesses“. Was will der andere entwickeln? Was ist der tatsächliche, verborgene  Wunsch oder die Not des Bauherrn?  Geht es tatsächlich nur um das  Bedürfnis nach etwas mehr Helligkeit über dem Tisch?

Eine Aussage aus der geistigen Forschung von Heinz Grill  ist z.B.:  „Licht ist formbildend“.  Nehmen wir diesen Gedanken einmal als bedeutungsvoll an  und fragen uns, was es damit auf sich haben könnte. Wie ist das Licht zusammengesetzt, wo kommt es her und  was bewirkt es bei uns?
Mit dieser Aussage ist sicherlich eine sehr große Dimension angesprochen und doch kann man sich eine einfache  Vorstellung  bilden,  wie mehr Licht auch mehr Form erzeugt am Beispiel von Getreideähren, die so ästhetisch und formstabil  sich am Feld gebärden im Unterschied zu Pilzen die etwas schwammig und mehr im Dunklen und Feuchten unter den Bäumen verbringen.Es ist also nicht egal, wie das Licht hereintritt in den Raum, durch welche Form es geführt  wird, aus welcher Richtung es uns mit dem Sonnenlauf verbindet.

Eine weitere Steigerung wäre die Frage: Wie der Mensch selbst Licht erzeugt und ob es in diesem Zusammenhang eine Auswirkung hat, was wir denken,  ob finstere oder  lichtere Gedanken bewegt werden?

Bei den beschriebenen  Inhalten und Bildern scheint mir der  persönliche Hinweis notwendig, dass ich eine Unterscheidung  treffe,  zwischen meinen Vorstellungen und den Aussagen und Beschreibungen geistiger Forschung, die mir erst mal  fremd oder unverständlich erscheinen, aber doch ein solches  Interesse  erzeugen, dass ich den Bedeutungssinn verfolge und erst dann die  Aussagen aus eigener Erkenntniss, die nach einer Art von „Verstoffwechselung“ zustande kommen, als die meinen bezeichnen würde.

Aussagen und Anregungen zum schöpferischen Prozess:

  • „Kreativität als eine Rückwärtsbewegung betrachten“.  Man weicht in seinem willentlichen Erreichen-Wollen und unbedingt erzählen müssen seiner Gedanken erst einmal zurück und  schafft  dadurch neuen Raum für weiteren Zustrom von  Gedankenbildung.
  • Der Stillstand, der Nullpunkt, das leere Blatt Papier, das vor einem liegt, das löst eine Notlage aus. Die Not anschauen, nicht sogleich flüchten, sondern bewusst aushalten und weiterformen. Diese Verwandlung ist eine Kreativität an den Widerständen.
  • Die Wahrnehmung und das Interesse am anderen führt dazu, das  phantasievoller mit höheren Inhalten umgegangen werden kann
  • Beschreiben der eigenen Vorstellungen von beispielsweise dem Gedanken: „Licht ist formbildend“.  Was bewirkt dieser Gedanke, wie drückt er sich aus…
  • Der Mut in freilassender Art  höhere Gedanken auszusprechen. Der Gedanke bleibt also nicht nur im eigenen Innenleben sondern wird auch in gelungener Weise für den anderen zugänglich.
  • Verwandlungskraft – von  der niedrigeren in die nächst höhere Ebene des Gesprächs gelangen oder anders ausgedrückt, den Raum immer etwas schöner verlassen, als ich ihn betreten habe.
  • Kreativität ist etwas „Neues schaffen“ aus der Idee, aus einem Gedanken und deswegen eine glückliche Verbindung zwischen Menschen und dem Geistigen.
Thomas von Dall Armi